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Allgemein 03.11.2026 10:42 Andreas B 4 Aufrufe

Job-Schock bei Schaeffler: Autozulieferer streicht 3.460 Stellen – vier deutsche Standorte vor dem Aus

Die Krise der deutschen Automobilindustrie fordert weitere Opfer. Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler hat einen drastischen Stellenabbau angekündigt. Insgesamt 3.460 Arbeitsplätze sollen in Europa wegfallen. Besonders hart trifft es Deutschland: Hier sind 2.660 Stellen betroffen. Außerdem sollen vier deutsche Standorte geschlossen werden.

Die Nachrichten aus der deutschen Automobilbranche werden immer schlechter. Jetzt trifft es auch den traditionsreichen Autozulieferer Schaeffler. Das Unternehmen aus Herzogenaurach hat am Dienstag, dem 3. November 2026, ein weiteres Sparprogramm angekündigt. Die geplanten Maßnahmen haben es in sich: Tausende Beschäftigte müssen um ihre berufliche Zukunft bangen.

Insgesamt will Schaeffler europaweit 3.460 Arbeitsplätze abbauen. Der größte Teil davon entfällt auf Deutschland. Hier sollen 2.660 Stellen gestrichen werden. Das entspricht rund neun Prozent der deutschen Stammbelegschaft.

Doch es bleibt nicht beim Stellenabbau. Auch mehrere Werke stehen vor dem Aus.

Vier deutsche Standorte sollen geschlossen werden

Besonders bitter ist die Nachricht für die Beschäftigten an den betroffenen Standorten. Nach den bisherigen Unternehmensplänen sollen die Werke in Dortmund, Morbach, Berlin und Schwalbach perspektivisch geschlossen werden. Hinzu kommt ein weiterer Standort im belgischen Herstal.

Damit sind nicht nur einzelne Arbeitsplätze gefährdet. Für ganze Regionen könnten wichtige Arbeitgeber und industrielle Strukturen verloren gehen.

Auch an anderen deutschen Standorten sind Veränderungen vorgesehen. Insgesamt sollen die Maßnahmen 16 Standorte in Europa betreffen. Etwa die Hälfte der geplanten Stellenstreichungen entfällt auf die Produktion. Rund 30 Prozent betreffen Forschung und Entwicklung, weitere 20 Prozent andere Unternehmensbereiche.

Der Stellenabbau soll bis Ende 2028 umgesetzt werden.

Warum zieht Schaeffler jetzt die Reißleine?

Als Hauptgrund nennt das Unternehmen die anhaltend schwierige Situation in der europäischen Automobilindustrie. Die Nachfrage nach Fahrzeugen und bestimmten Autoteilen entwickelt sich schwächer als erwartet. Besonders das Geschäft mit Komponenten für Verbrennungsmotoren steht unter Druck.

Gleichzeitig kommt die Elektromobilität langsamer voran, als viele Unternehmen ursprünglich geplant hatten. Die erhofften Wachstumsraten bleiben vielerorts aus. Für Zulieferer wie Schaeffler bedeutet das ein schwieriges Geschäft: Produktionskapazitäten wurden aufgebaut, die Nachfrage entwickelt sich jedoch nicht entsprechend.

Hinzu kommt der zunehmende internationale Wettbewerb. Vor allem asiatische Hersteller setzen die europäischen Unternehmen unter Druck.

Schaeffler verweist außerdem auf vergleichsweise hohe Personalkosten in Deutschland und eine zu komplexe Unternehmensstruktur mit zu vielen Führungsebenen.

300 Millionen Euro Einsparungen pro Jahr geplant

Mit dem neuen Sparprogramm verfolgt Schaeffler ein klares finanzielles Ziel. Ab dem Jahr 2030 sollen die Maßnahmen jährlich rund 300 Millionen Euro an zusätzlichen Ergebnisverbesserungen bringen.

Allerdings ist der Umbau zunächst mit erheblichen Kosten verbunden. Das Unternehmen rechnet mit einem einmaligen Aufwand von rund 480 Millionen Euro.

Zusätzlich plant die Konzernführung einen sogenannten Solidaritätsbeitrag. Dieser soll einen zeitlich begrenzten, freiwilligen Gehaltsverzicht umfassen. Dabei sollen nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die höheren Hierarchieebenen und der Vorstand einbezogen werden.

Die konkreten Bedingungen müssen allerdings noch mit den zuständigen Gremien abgestimmt werden.

Betriebsrat übt deutliche Kritik

Bei den Arbeitnehmervertretern sorgt die Ankündigung für erheblichen Unmut. Konzernbetriebsratschef Uli Schoepplein kritisierte insbesondere, dass die deutschen Standorte besonders stark von den Einschnitten betroffen seien.

Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung fehlt bislang ein überzeugendes Zukunftskonzept. Es müsse zunächst geklärt werden, welche Produkte künftig in Deutschland gefertigt werden sollen und an welchen Standorten tatsächlich investiert wird.

Die Beschäftigten könnten nicht dafür verantwortlich gemacht werden, dass ihnen nach einem Stellenabbau möglicherweise trotzdem die langfristige Perspektive fehle.

Die Kritik macht deutlich, wie groß die Sorgen innerhalb der Belegschaft sind. Denn für viele Mitarbeiter geht es nicht einfach um eine weitere Umstrukturierung, sondern um ihre wirtschaftliche Existenz.

Bereits das nächste Sparprogramm innerhalb weniger Jahre

Besonders bemerkenswert ist, dass Schaeffler erst vor Kurzem ein früheres Sparprogramm abgeschlossen hat. Dieses war im November 2024 angekündigt worden und sah ursprünglich den Abbau von rund 4.700 Arbeitsplätzen in Europa vor.

Zusätzlich hatte das Unternehmen rund 1.800 Altersteilzeitverträge abgeschlossen.

Nun folgt bereits das nächste umfangreiche Maßnahmenpaket. Die wiederholten Einschnitte zeigen, wie schwierig die Lage für große Teile der europäischen Automobilzulieferindustrie geworden ist.

Wie geht es für die Beschäftigten weiter?

Für die Mitarbeiter beginnt nun eine Phase der Unsicherheit. Schaeffler kündigte an, die geplanten Veränderungen sozialverträglich und im Dialog mit den Arbeitnehmervertretungen umzusetzen.

Wie genau das an den einzelnen Standorten aussehen wird, soll im Rahmen lokaler Mitarbeiterversammlungen vorgestellt werden.

Fest steht schon jetzt: Der angekündigte Stellenabbau ist ein weiterer schwerer Einschnitt für die deutsche Automobilindustrie. Tausende Beschäftigte müssen sich auf Veränderungen einstellen. Und für die betroffenen Regionen steht möglicherweise noch mehr auf dem Spiel als nur der Verlust einzelner Arbeitsplätze.

Die Entwicklung bei Schaeffler zeigt einmal mehr, wie stark der industrielle Wandel Deutschland verändert. Zwischen schwächelndem Verbrennergeschäft, verzögerter Elektromobilität und internationalem Konkurrenzdruck stehen traditionelle Zulieferer vor enormen Herausforderungen.

Für 3.460 Beschäftigte in Europa ist die Ankündigung jedenfalls ein Schock. Und die Frage, wie viele Arbeitsplätze die deutsche Autoindustrie in den kommenden Jahren noch verlieren wird, bleibt offen.
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